Wer weningstens einmal in Istanbul gewesen ist, wird nie das Gefühl von Erstaunen und Bewunderung vergessen, das ihn ergriff, als er zum ersten Mal vor der Blauen Moschee standdie schlanken Minarette, die kühn zum Himmel ragen, ihre enormen Ausmaße, die Kaskade von Kuppeln, die verblüffende Sanftheit ihrer Farben und Formen. Von der Galatabrücke oder vom Goldenen Horn aus ist die Ansicht einzigartig.
Die Sultan-Ahmet-Moschee erhebt sich entschlossen vor der Hagia Sophia, fast als wolle sie sich mit ihr in einem magischen Wettstreit um Proportionen und Größe messen. Mit ihrem Bau wurde von dem strenggläubigen Sultan Ahmet I., der den Thron schon als vierzehnjähriger bestiegen hatte, Mehmet Aga, ein Schüler des großen Sinan, beauftragt. Man nannte ihn auch "Sedefkär", was soviel wie "Perlmuttbearbeiter" bedeutet und laut einer Handschrift der Bibliothek des Topkapi war er ursprünglich Gärtner im Mausoleum der Süleyman-Moschee gewesen, bevor er in den Korps der Janiten eintrat, sich dann nur noch der Konstruktion von Moscheen, Palästen und Brunnen widmete und so gar den Auftrag zur Restaurierung der Kaaba erhielt. Die Arbeiten an dieser Moschee begannen 1609 und wurden erst 1616 abgeschlossen, gerade ein Jahr vor dem Tode des Sultans, der dafür gut 1. 181 Goldtaler ausgegeben hatte. Es wird überliefert, daß Ahmet 1. am Tage der feierlichen Einweihung zum Zeichen seiner Demut einen Hut in der Form des Fußes des Propheten trug.Das erste was einem auffällt, wenn man auf die Moschee zufährt, ist, daß diese als einzige in der Welt sechs Minarette besitzt, von denen vier drei Umgänge besitzen, insgesamt sechzehn. Als die Moschee fertiggestellt war, mußte der Sultan für die Moschee in Mekka, die auch sechs Minarette hatte, ein siebtes bauen lassen, um deren religiöse Vorherrschaft wiederherzustellen.An drei Seiten ist die Moschee von einem weiten Hof mit Laubengängen umgeben, der von einer Mauer begrenzt wird. Drei herrliche Tore führen zum Innenhof, der, in Marmor geplättelt, ähnlich prächtig ist wie das Innere des Moschee. Im Zentrum des Innenhofes befindet sich der "Sadirvan", der sechseckige, von sechs Säulen umgebene Brunnen für die rituellen Waschungen. Das Innere des Moschee ist ein beinahe quadratischer riesiger Raum, in den das Licht durch 260 Fenster fällt und spielerisch die Oberflächen verwandelt. Die mächtige Kuppel (43 m hoch) wird von vier mächtigen Pilastern mit einem Durchmesser von je 5 m getragen, die vertikal gerillt sind und "Elefantenfüße" genannt werden. Aus diesem perfekt ausgewogenen Ganzen tritt das herrliche blaue Dekor hervor, das dem Bauwerk seinen Namen gegeben hat. Mauern und Säulen sind nämlich bis zu einem Drittel ihrer Höhe mit 21.043 Majolika-Fliesen aus dem 16. und 17. Jh. verkleidet, in denen Blau als Farbe in allen seinen Nuancen dominiert (Lilien-, Tulpen-, Rosen-, Nelken-, und andere Blumenmotive).
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